Katalog
/
Softwareentwicklung und Programmierung
/
Grundlagen der Finite-Elemente-Programmierung mit Python

Grundlagen der Finite-Elemente-Programmierung mit Python

Lernen Sie, wie sich die Finite-Elemente-Methode in strukturierte, wartbare und erweiterbare Python-Software übertragen lässt.

Was werden Sie lernen?

Diese praxisorientierte Aufbauschulung vermittelt die grundlegenden numerischen und softwaretechnischen Konzepte hinter Finite-Elemente-Programmen. Anstatt FEM-Software ausschließlich als „Black Box“ zu verwenden, implementieren die Teilnehmer wesentliche Bestandteile eines einfachen Finite-Elemente-Solvers selbst.

Der Kurs konzentriert sich auf Konzepte, die in unterschiedlichen Ingenieurdisziplinen gleichermaßen relevant sind, und schafft damit eine Grundlage für die Entwicklung spezialisierter Simulationssoftware, beispielsweise in der Strukturmechanik, im Maschinenbau, in der Wärmeübertragung oder bei anderen Feldproblemen.

Am Ende des Kurses werden die Teilnehmer in der Lage sein:

  • den grundlegenden Aufbau eines Finite-Elemente-Programms zu verstehen,
  • physikalische bzw. technische Problemstellungen in diskrete numerische Modelle zu überführen,
  • Knoten, Elemente, Freiheitsgrade, physikalische Parameter und Randbedingungen softwaretechnisch abzubilden,
  • die Bedeutung von Formfunktionen und numerischer Integration zu verstehen,
  • Elementmatrizen und Elementvektoren zu formulieren und zu implementieren,
  • Elementbeiträge zu einem globalen System zu assemblieren,
  • Randbedingungen sowie äußere Lasten oder Quellterme anzuwenden,
  • das resultierende Gleichungssystem numerisch zu lösen,
  • Sparse-Matrizen und Sparse-Solver einzusetzen,
  • numerische Ergebnisse auszuwerten und zu visualisieren,
  • FEM-Implementierungen mit analytischen Lösungen, Konsistenzprüfungen und automatisierten Tests zu verifizieren,
  • FEM-Software so zu strukturieren, dass weitere Elementtypen, physikalische Modelle und Lösungsverfahren ergänzt werden können,
  • eigene FEM-Implementierungen in Bezug zu etablierten FEM-Frameworks einzuordnen.

Voraussetzungen:

  • grundlegende Python-Programmierkenntnisse,
  • Erfahrung mit Funktionen, Modulen und einfachen Klassen,
  • Grundkenntnisse in NumPy,
  • Verständnis von Vektoren und Matrizen,
  • grundlegende Kenntnisse der Ingenieurmathematik.

Die vorherige Teilnahme am Kurs „Softwareentwicklung mit Python für Ingenieure“ oder vergleichbare Kenntnisse werden empfohlen.

Kursübersicht*:

*Wir passen den Kursaufbau und die Inhalte an Ihre spezifischen Anforderungen und relevanten Anwendungsfälle an.

Tag 1 – Von der physikalischen Problemstellung zum Finite-Elemente-Modell

Einführung in die Finite-Elemente-Methode

  • Was passiert intern in einem FEM-Programm?
  • Von einem kontinuierlichen physikalischen Problem zum diskreten numerischen Modell
  • Diskretisierung und Netze
  • Knoten und Elemente
  • Freiheitsgrade
  • Physikalische und materielle Parameter
  • Lasten, Quellterme und Randbedingungen
  • Lokale und globale Größen

Mathematische Grundlagen

  • Wiederholung relevanter linearer Algebra
  • Vektoren und Matrizen
  • Lineare Gleichungssysteme
  • Lokale und globale Systeme
  • Das allgemeine FEM-Gleichungssystem

K u = f

  • Bedeutung von Systemmatrix, Lösungsvektor und rechter Seite
  • Unterschiedliche physikalische Interpretationen derselben numerischen Struktur

Je nach Anwendungsgebiet kann K beispielsweise eine Steifigkeitsmatrix, Leitfähigkeitsmatrix oder einen anderen diskretisierten physikalischen Operator darstellen.

Formfunktionen und Elementapproximation

  • Warum Interpolation in der FEM erforderlich ist
  • Einführung in Formfunktionen
  • Interpolation innerhalb eines Elements
  • Elementkoordinaten
  • Lokale und globale Koordinaten
  • Ableitungen von Formfunktionen
  • Zusammenhang zwischen Elementapproximation und physikalischen Größen

Berechnungen auf Elementebene

  • Elementgeometrie
  • Lokale Freiheitsgrade
  • Elementmatrizen
  • Elementvektoren
  • Physikalische Parameter auf Elementebene
  • Einführung in die numerische Integration
  • Integrationspunkte und Gewichte
  • Koordinatentransformationen, sofern erforderlich

Softwaretechnische Abbildung des FEM-Modells

Entwicklung geeigneter Python-Komponenten, zum Beispiel:

  • Node
  • Element
  • Material bzw. PhysicalProperties
  • BoundaryCondition
  • Load bzw. Source
  • Mesh
  • Model

Softwaretechnische Themen:

  • Trennung physikalischer Daten von numerischen Algorithmen,
  • wiederverwendbare Elementimplementierungen,
  • klare Verantwortlichkeiten von Modell-, Element- und Solver-Komponenten,
  • Trennung von Modelldefinition und numerischem Lösungsverfahren.

Praxisübung

Die Teilnehmer implementieren die ersten Komponenten einer kleinen FEM-Anwendung, darunter:

  • Erzeugung von Knoten und Elementen,
  • Definition physikalischer Parameter,
  • Zuordnung von Freiheitsgraden,
  • Berechnungen auf Elementebene,
  • grundlegende automatisierte Tests.

Tag 2 – Assemblierung und Lösung des globalen Systems

Verwaltung von Freiheitsgraden

  • Lokale und globale Freiheitsgrade
  • Nummerierung von Freiheitsgraden
  • Zuordnung lokaler Elementgrößen zu globalen Indizes
  • Behandlung freier und eingeschränkter Freiheitsgrade
  • Strategien für größere Modelle

Globale Assemblierung

Schrittweise Implementierung des Finite-Elemente-Systems:

  1. Berechnung der Elementmatrizen und Elementvektoren
  2. Bestimmung der zugehörigen globalen Freiheitsgrade
  3. Transformation der Elementgrößen, sofern erforderlich
  4. Assemblierung der globalen Systemmatrix
  5. Assemblierung des globalen Vektors der rechten Seite

Randbedingungen und äußere Einwirkungen

  • Wesentliche und natürliche Randbedingungen
  • Vorgegebene Werte
  • Lasten und Quellterme
  • Unterschiedliche Implementierungsstrategien
  • Anpassung des Gleichungssystems
  • Validierung von Randbedingungen

Lösung des globalen Systems

  • Lösung von K u = f
  • Dichte lineare Solver mit NumPy
  • Einführung in Sparse-Matrizen mit SciPy
  • Warum FEM-Matrizen typischerweise dünn besetzt sind
  • Gängige Sparse-Matrix-Formate
  • Assemblierung von Sparse-Matrizen
  • Sparse Linear Solver
  • Numerische Genauigkeit
  • Konditionierung und numerische Stabilität

Ergebnisauswertung

Je nach gewähltem Anwendungsbeispiel:

  • Knotenwerte,
  • Gradienten,
  • Flüsse,
  • Verformungen,
  • Dehnungen,
  • Spannungen,
  • innere Kräfte,
  • weitere abgeleitete technische Größen.

Visualisierung

  • Visualisierung des Netzes
  • Darstellung berechneter Knotenwerte
  • Darstellung skalarer Felder
  • Darstellung von Verformungen
  • Visualisierung elementbezogener Ergebnisse
  • Erstellung technischer Ergebnisdiagramme

Praxisübung

Die Teilnehmer vervollständigen einen kleinen FEM-Solver, mit dem sie:

  • ein numerisches Modell definieren,
  • ein globales System assemblieren,
  • Randbedingungen anwenden,
  • das Gleichungssystem lösen,
  • ausgewählte Ergebnisgrößen berechnen
  • und die Lösung visualisieren können.

Tag 3 – Verifikation, Generalisierung und wartbare FEM-Software

Verifikation und Testing

  • Warum numerische Software verifiziert werden muss
  • Testen von Berechnungen auf Elementebene
  • Symmetrieprüfungen
  • Konsistenzprüfungen
  • Gleichgewichts- bzw. Erhaltungskontrollen
  • Vergleich mit analytischen Referenzlösungen
  • Numerische Toleranzen
  • Automatisierte Tests mit pytest
  • Regressionstests
  • Plausibilitätsprüfungen

Netzverfeinerung und Konvergenz

  • Einfluss der Diskretisierung auf das Ergebnis
  • Netzverfeinerung
  • Grundlagen der Konvergenz
  • Vergleich numerischer Lösungen bei unterschiedlicher Netzauflösung
  • Unterscheidung zwischen Modellierungs- und Implementierungsfehlern

Generalisierung der FEM-Implementierung

  • Trennung von Elementformulierung und Assemblierung
  • Unterstützung unterschiedlicher Elementtypen
  • Unterstützung unterschiedlicher physikalischer Problemstellungen
  • Generische Behandlung von Freiheitsgraden
  • Erweiterbare Material- und Parametermodelle
  • Wiederverwendbare Solver-Komponenten

Strukturierung einer wartbaren FEM-Anwendung

Eine mögliche Softwarearchitektur:

Modell → Elemente → Assemblierung → Solver → Ergebnisse → Visualisierung

Möglicher Projektaufbau:

model/
Netz, Knoten, physikalische Parameter und Randbedingungen

elements/
Finite-Elemente-Formulierungen

assembly/
Globale Assemblierung und Freiheitsgradverwaltung

solver/
Randbedingungen und Gleichungslöser

results/
Ergebnisauswertung und abgeleitete Größen

visualization/
Visualisierung von Modell und Ergebnissen

tests/
Automatisierte Verifikation

Behandelt werden dabei unter anderem:

  • klare Trennung von Verantwortlichkeiten,
  • eindeutige Schnittstellen zwischen Komponenten,
  • wiederverwendbare numerische Algorithmen,
  • Wartbarkeit und Erweiterbarkeit,
  • Vermeidung stark gekoppelter Implementierungen.

Anpassung an unterschiedliche Ingenieurdisziplinen

Die mathematischen und softwaretechnischen Grundlagen des Kurses bleiben allgemein gehalten. Die Praxisbeispiele und die physikalische Interpretation können jedoch an den fachlichen Hintergrund der Teilnehmer angepasst werden.

Mögliche Anwendungsvarianten sind zum Beispiel:

  • Bauingenieurwesen / Statik: Fachwerk-, Balken- oder einfache Elastizitätsprobleme
  • Maschinenbau: Verformungs- und Spannungsanalysen
  • Wärmeübertragung: stationäre Wärmeleitung
  • Allgemeine Feldprobleme: Gleichungen vom Poisson-Typ
  • Weitere Ingenieurdisziplinen: vergleichbare diskretisierte Feldprobleme entsprechend den Anforderungen der Teilnehmer

Für Statiker können die Übungen beispielsweise anhand eines 2D-Fachwerks, eines Balkens oder eines einfachen Kontinuummodells durchgeführt werden. Für Teilnehmer aus dem Maschinenbau oder der Wärmeübertragung kann dieselbe FEM-Softwarearchitektur stattdessen anhand von Elastizitäts- oder Wärmeleitungsproblemen demonstriert werden.

Abschlussprojekt

Die Teilnehmer führen die Kursinhalte zu einer kleinen, strukturierten FEM-Anwendung zusammen, mit der sie:

  • ein diskretisiertes physikalisches Modell definieren,
  • Knoten und Elemente erzeugen,
  • physikalische Parameter zuweisen,
  • Randbedingungen und äußere Einwirkungen definieren,
  • Elementbeiträge berechnen,
  • das globale System assemblieren,
  • das resultierende Gleichungssystem lösen,
  • abgeleitete Größen auswerten,
  • ausgewählte Berechnungen automatisiert überprüfen,
  • das numerische Modell und seine Ergebnisse visualisieren,
  • und die Anwendung später um weitere Elementtypen oder physikalische Modelle erweitern können.

Weiterführende Themen und Ausblick

Zum Abschluss wird gezeigt, wie die entwickelte Architektur weiterentwickelt werden kann in Richtung:

  • höherdimensionaler Problemstellungen,
  • weiterer Elementformulierungen,
  • höherwertiger Elemente,
  • weiterführender numerischer Integration,
  • nichtlinearer Probleme,
  • Eigenwertprobleme,
  • transienter und dynamischer Simulationen,
  • komplexerer Materialmodelle,
  • Netzgenerierung,
  • adaptiver Netzverfeinerung,
  • Performanceoptimierung,
  • Parallelisierung,
  • grafischer Benutzeroberflächen,
  • etablierter FEM-Frameworks wie FEniCSx.

Praxisnahes Lernen mit erfahrenen Trainern an Ihrem Standort für Organisationen.

4.347€*
Graph Icon - Education X Webflow Template
Niveau:
intermediate
Clock Icon - Education X Webflow Template
Dauer:
21
Stunden (Tage:
3
)
Camera Icon - Education X Webflow Template
Training angepasst an Ihre Bedürfnisse
Star Icon - Education X Webflow Template
Intensive praktische Erfahrung in einer speziellen Umgebung
*Der Preis kann je nach Teilnehmerzahl, Änderung des Programms, Standort usw. variieren.

Neue Fähigkeiten erlernen, angeleitet von erfahrenen Trainern von überall.

3.012€*
Graph Icon - Education X Webflow Template
Niveau:
intermediate
Clock Icon - Education X Webflow Template
Dauer:
21
Stunden (Tage:
3
)
Camera Icon - Education X Webflow Template
Training angepasst an Ihre Bedürfnisse
Star Icon - Education X Webflow Template
Reduzierte Schulungskosten
*Der Preis kann je nach Teilnehmerzahl, Änderung des Programms, Standort usw. variieren.

Starttermine

25.-27.11.2026
München
27.-29.01.2027
München
10.-12.02.2027
Berlin
24.-26.02.2027
Hamburg
16.-18.03.2027
München
25.-27.03.2027
Köln
20.-22.04.2027
München

Kein passender Termin dabei? Sprechen Sie uns gerne auf Ihren Wunschtermin an.

Wir verwenden Cookies, um die Navigation zu verbessern, die Nutzung der Website auszuwerten und unser Marketing zu unterstützen. Sie können alle Cookies akzeptieren, nicht notwendige ablehnen oder einzelne Kategorien auswählen. Zum Cookie-Hinweis